Gaststätte Regh

Eine abwechslungsreiche Geschichte

der über 100 Jahre alten Gaststätte Regh in Brühl-Kierberg

Im Jahre 1904 konnte das Haus in der Schulstrasse 29 nach dem tragischen Tod des Voreigentümers Forschbach-Eul, der dort eine Restauration unterhielt, von meinem Urgroßvater Peter-Josef Fischer ersteigert worden.

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Postkarte von 1904

Er, der bis dahin als Metzgermeister in der Serverinsstrasse in Köln eine eigene Metzgerei betrieb, sah hier die Möglichkeit mit der damals durchaus nicht unüblichen Kombination aus Gastronomie und Metzgerei, sein Geschäft auszuweiten. Mit seiner Frau Gertrud (geb. Scheben) und den drei gemeinsamen Kindern Gertrud, Margarete und Peter-Josef, eröffnete er in dem bis dahin als Vereinszimmer genutzten Raum (Erdgeschoss links) eine Metzgerei.

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Peter Josef Fischer

Zum Betrieb der rechts im Erdgeschoss liegenden Restauration, beantragte Peter Josef Fischer im Jahre 1905 eine Schankerlaubnis, die er dann im Mai 1906 erhielt.

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von links: Peter-Josef (Junior), Margarete, Gertrud, Mutter Gertrud Fischer und Paul Jansen

Nach seinem Tod und dem des Sohnes (1911) wurde die Metzgerei noch einige Jahre von der Witwe Gertrud Fischer und ihren beiden Töchtern, unterstützt von Paul Jansen, der später eine eigene Metzgerei gleich 50 m weiter eröffnete, weitergeführt.

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Meine Oma Gertrud und deren Schwester Margarete

Als dann auch Mutter und Tochter Margarete verstarben, wurde die Metzgerei geschlossen. Von nun an führte Gertrud Fischer die Gaststätte für einige Jahre alleine fort.

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Mathias Josef Hubert Regh

Während des 1. Weltkrieges waren am Kierberger Bahnhof Soldaten stationiert, die die strategisch wichtige Kierberger Brücke zu bewachen hatten. Hierbei war auch der stattliche Matthias Josef Hubert Regh gebürtig aus Nieder-Elvenich Kreis Euskirchen. Gertrud hatte auf den schmucken Bewacher der Brücke, welcher mit seinem eigenen Pferde seinen Dienst tat, ein Auge geworfen.

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Prozession Anfang der 30ger

Bevor sie sich entschied, den „Jäger der Ersten Garde zu Pferde“ zu heiraten, wandte sie sich ratsuchend an den Pfarrer von St. Servatius, ob dieser denn auch der Richtige sei. Im Sommer 1920 fand die Hochzeit statt. Im Januar 1922 wurde dem Paar die Tochter Margarete genannt Grete und später dann im Oktober 1924 der Sohn Hans-Josef geboren. Damit war die Fortführung des Geschäftes für die nächste Generation sichergestellt.

In den 30ger Jahren entschloss sich mein Großvater, auf dem bisher als Pferdestall und Schreinerei genutzten Nachbargrundstück, gegen den Widerstand der Brühler Gastronomie, einen großen „Saal zur gelegentlichen Theateraufführung“ sowie im gleichen Gebäude eine neue Toilettenanlage für die Gaststätte und im Untergeschoss eine Bundeskegelbahn (Scherenbahn) zu errichten.

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Bau des Saals 1935

Fortan stand in Brühl neben dem Belvedere und anderen ein weiterer großer Veranstaltungssaal zur Verfügung. Neben zahlreichen Theateraufführungen der Bühnengesellschaft „Harmonie“, Tanz-, Box- und Karnevalsveranstaltungen, wurden auch Betriebsfeiern wie z.B. der Brikettfabrik Gruhl-Werk durchgeführt. Die Gaststätte Regh entwickelte sich zu einem zentralen Veranstaltungsort für Brühl und Umgebung.

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Veranstaltung im 3ten Reich

Zur Vorbereitung auf die Geschäftsübernahme absolvierte nunmehr mein Vater Hans-Josef eine Kaufmännische Privatschule in Köln und die Hotelfachschule in München.

Nach dem Tode meines Großvaters Matthias Josef Hubert Regh im Jahre 1941 wurden die Zeiten schwieriger, es herrschte Krieg und wirtschaftliche Not. Der Sohn des Hauses, Hans-Josef, musste an die Front und so hielten seine Mutter Gertrud und deren Tochter Grete den Betrieb der Gaststätte allein aufrecht.

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Meine Oma Gertrud und mein Vater Hans-Josef

Im Januar 1946 kehrte mein Vater Hans-Josef aus amerikanischer Kriegsgefangen-schaft (er war in Camp Perry, Ohio, wo er auf einer Maisfarm arbeitete und in einer Schälmaschine den Zeigefinger verlor) zurück.

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Gaststätte vor dem 2. Weltkrieg
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Theke vor dem 2. Weltkrieg

Den elterlichen Betrieb übernahm er dann im Februar 1948. Aus dem Fragebogen zur Erteilung seiner Schankerlaubnis ging hervor, dass der Gesamtumsatz für das Jahr 1944 in RM: 20.663,00 während für das Jahr 1945 nur noch 2.747,00 und für das Jahr 1946 schon wieder 28.850,00 RM angegeben wurden.

Nach der Währungsreform wurden die Verhältnisse dann schlagartig besser. Der erste Karneval in dieser Zeit ist noch vielen Brühlern in bester Erinnerung geblieben; Es war plötzlich wieder richtiges Bier und auch Schnaps verfügbar!

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Karnevals-Veranstaltung in den 50gern mit dem Kölner Dreigestirn
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Bühnengesellschaft „Harmonie“ zum 25jährigen Jubiläum im Jahre 1953 am Hinterausgang des Saals

Hans-Josef fand 1952 sein Eheglück. Er heiratete meine Mutter Lotte Wipperling aus dem deutschen Norden. Sie kam aus Twielenfleth im alten Land bei Stade und war beruflich als Fernmeldevermittlerin beim Fernmeldeamt in Bad Godesberg tätig. Eigentlich wollte sie ja Lehrerin genau sowie ihr Vater werden, aber da machte der Krieg ihr einen Strich durch die Rechnung und über den Arbeitsdienst u.a. als Straßenbahnschaffnerin der letzten Kriegsjahre in Berlin verschlug es sie dann an den Rhein. Hans-Josef hatte sich in ihre schöne, wohlklingende Stimme verliebt und sie um ein Rendezvous gebeten.

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Von links Grete und Anna Röhrig, Heinz und Lotte Regh Weihnachten 1954

Meine Tante Grete ehelichte den Kierberger Josef Röhrig und beide Paare bekamen im Jahre 1952 ihre Kinder. Im Mai erblickte ich, Heinz-Josef genannt Henry, dann das Licht der Welt. Im August wurde Josef und Grete Röhrig die Tochter Anna geboren. Übrigens war Anna die erste Geburt im neu errichteten Entbin-dungsgebäude dem Anna-Haus des Brühler Marienhospitals.

Die Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem 2. Weltkrieg brachte gewaltige Veränderungen, die auch vor der Gaststätte Regh nicht Halt machten. So wurde das Angebot von Getränken auch auf kleine Speisen ausgedehnt. Man begann erst mit Soleiern und Rollmöpsen, in den 60ern standen dann auch Hähnchen mit Pommes Frites und Gulasch mit auf der Speisekarte.

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Frauen- und Mütterverein mit Pastor Heinrich Engels in den 60ern

Auch die Nutzung des Saals änderte sich in den Folgejahren: In den 50er Jahren wurde das Gebäude hauptsächlich als Kino „CAPITOL - Lichtspiele Kierberg“ im Wechsel mit den Theateraufführungen und Karnevalsveranstaltungen genutzt, welches, da das Mobiliar „über nacht“ umgeräumt werden musste, sehr aufwändig war. Der Kinobetrieb wurde dann aber Ende der 60er Jahre eingestellt.

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Plakat mit der Eröffnungs-veranstaltung des CAPITOL Kinos

Dafür konnte der Saal für die Ende der 50er Jahre aufkommenden Veranstaltungen mit Live-Musik und Tanz mit der Rock & Roll-Musik von Bill Haley und Elvis Presley genutzt werden. Später, mit Beginn der 60er Jahre traten in Beatfestivals eine Vielzahl von Bands, die Musik von den Beatles und den Rolling Stones nachspielten, in Wettbewerben gegeneinander an.

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Die Beatgruppe QXY5 von links: Henry Regh am Bass, Walter Fussel und Michael Sattler an den Gitarren, Sänger „Mausi“ Günther Feldmeyer, Roadmanager Karl Halfen, Drummer "Jüppi" später ersetzt durch Helmut Graetz.

In den darauf folgenden Jahren bis zum späteren Umbau Anfang der 70er wurde der Saal u.a. während der Renovierung der Kirche St. Servatius als Kirche und auch kurzzeitig als Kleinkaliber-Schießstand genutzt.

Die Gaststätte Regh genoss einen guten Ruf, vor allem mein Vater galt als beliebter Wirt, vorzüglicher Skatspieler, Kegler, Tänzer, und ...

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Kegelklub Die Stiefe mit meinem Vater (Mitte hinten rechts)

Im Herbst 1970 verstarb 88-jährig meine Oma Gertrud Regh.

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Festwagen der KG Löstige Kierberger in den 70ern

Meine Eltern entschlossen sich 1973 das anstrengende Leben als Gastwirtsleute, mit nur wenig Privatleben und Urlaub, zu beenden. Hans-Josef und Lotte zogen nach Zülpich-Schwerfen, unternahmen viele Reisen und holten vieles nach, was in den Zeiten der Gaststättenführung nicht möglich war.

Josef und Grete Röhrig, die auch immer wenn es „eng“ wurde eine große Hilfe war, zogen in ihr neugebautes Haus am Daberger Weg und so begann ein neues Kapitel in der Gaststätte.

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Gastraum im Jahre 1982

Die Gaststätte wurde von 1973 an von Michael Pohl und anschließend ab 1978 von Heinz Gerd Lobemeyer und von 1988 bis 2010 von Heidi Grins betrieben.

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Saalbau Nutzung als Supermarkt in den 80ern

Der Saal wird seit 1973 ebenfalls verpachtet. So war lange Jahre Stüssgen mit seinem Preismax und anschließend mit Plus der Pächter. Aber mit dem Neubau einer Filiale in Brühl zog sich Plus aus Kierberg zurück und der Drogeriemarkt Schlecker zog in den Saalbau ein.

Am 27.06.2003 verstarb mein Vater Hans-Josef Regh im Alter von fast 79 Jahren.

Nachdem die Gaststätte im August 2010 endgültig ihre Pforten schließen musste, wurde der gesamte Komplex verkauft um einem Wohnungsneubau zu weichen. Damit endet eine über 100-jährige Geschichte in Kierberg.

Brühl, im Oktober 2010

Henry Regh

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